Wenn gegen ein Topteam plötzlich nichts mehr zusammenpasst

Im vierten Spiel nach dem Aufstieg in die NLA müssen die Volleyballerinnen des BTV Aarau erstmals deutlich Lehrgeld bezahlen. Beim 0:3 gegen Volley Lugano läuft wenig nach Wunsch – während bei den Tessinerinnen fast alles aufgeht. Captain Alina Stäuble und Trainer Timo Lippuner suchen die Gründe vor allem bei der eigenen Leistung.
Die Enttäuschung sass tief. Alina Stäuble hatte bis zuletzt daran geglaubt, dass ihre Mannschaft diesen Abend noch irgendwie drehen könnte. Doch nach gerade einmal einer Stunde Spielzeit stand fest: Der BTV Aarau musste sich Volley Lugano mit 0:3 geschlagen geben. 20:25, 13:25 und 17:25 lauteten die drei Satzresultate. Erstmals seit dem Aufstieg in die NLA blieben die Aarauerinnen damit ohne Satzgewinn.
«Wir waren gut vorbereitet», sagte Captain Stäuble nach der Partie. Umso mehr ärgerte sie, dass sich ihr Team mit zu vielen Eigenfehlern selbst aus dem Konzept brachte. «Wir sind aus diesem Teufelskreis nicht mehr herausgekommen.»
Dass dies ausgerechnet gegen Lugano passierte, machte die Aufgabe nicht einfacher. Die Tessinerinnen gehören zu den Schweizer Topteams – und sie nutzten die Unsicherheiten des Aufsteigers konsequent aus.
Drei Ausfälle erschweren die Aufgabe zusätzlich
Dabei waren die Voraussetzungen für Aarau ohnehin alles andere als ideal. Sarah Jordan fehlte wegen einer Bänderverletzung am Fuss, Abigaël Gilomen musste aufgrund von Schulterproblemen passen. Und kurz vor Spielbeginn folgte der nächste Rückschlag: Adiva Joseph verletzte sich beim Einspielen.
Trainer Timo Lippuner wollte die drei Ausfälle und die hohe Belastung allerdings nicht als Erklärung für die Niederlage gelten lassen. «Wir hatten keinen guten Tag, das kann man nicht anders sagen.»
Bereits im ersten Satz habe sein Team mit den eigenen Fehlern dazu beigetragen, dass Lugano Sicherheit gewann. «Danach haben sie ihre Spieldominanz entwickelt und wir keinen Zugriff mehr gefunden», sagte Lippuner.
Noch hielt Aarau im Startsatz über weite Strecken mit. Lugano setzte sich jedoch ab und brachte den Durchgang mit 25:20 ins Trockene. Danach wurde die Angelegenheit deutlicher. Im zweiten Satz gerieten die Aarauerinnen früh ins Hintertreffen. Lugano spielte sich zunehmend in einen Rhythmus, während dem BTV kaum etwas gelingen wollte. Das 13:25 war die logische Folge.
«Wir haben uns das Momentum nicht verdient»
Es war einer dieser Abende, an denen auch die kleinen Dinge fast ausschliesslich für den Gegner zu laufen scheinen. Lugano hatte das Momentum auf seiner Seite und gab es nicht mehr her. Doch auch dafür suchte Lippuner die Ursache nicht beim Glück oder Pech. «Wir haben zu wenig von unserer Leistung gebracht, um uns dieses Momentum zu verdienen.»
Seine Spielerinnen versuchten im dritten Satz nochmals, sich gegen die Niederlage zu stemmen. Offensiv gelang nun wieder mehr, doch für eine Wende reichte es nicht. Lugano behielt die Kontrolle, gewann den Satz mit 25:17 und machte den 3:0-Erfolg perfekt.
Auch Stäuble sah einen wesentlichen Unterschied darin, wie konsequent Fehler auf höchstem nationalem Niveau bestraft werden. «Es gibt keine Gratisbälle mehr. Man muss sich die Punkte erarbeiten.» Genau das gelang den Aarauerinnen an diesem Abend zu selten.
Die Statistik bestätigt diesen Eindruck. Aarau kam im Angriff auf eine Erfolgsquote von 33 Prozent, Lugano auf starke 55 Prozent. Die Tessinerinnen erzielten 42 direkte Angriffspunkte, der BTV deren 24. Besonders deutlich war der Unterschied bei den Break Points, also den Punkten bei eigenem Aufschlag: Hier lag Lugano mit 24:6 vorne.
Beste Punktesammlerin auf Aarauer Seite war Mille Solvik Kjosås mit zehn Punkten, gefolgt von Captain Stäuble mit neun und Venerë Kadriu mit acht. Bei den Gästen ragte Ashley Ekes mit 19 Punkten heraus. Sie verwertete beeindruckende 80 Prozent ihrer Angriffe.
Ein Unterschied zur NLB wird besonders deutlich
Für den Aufsteiger war es ein ernüchternder Abend – aber auch einer, der aufzeigt, wie klein der Spielraum in der höchsten Liga geworden ist. Lippuner sieht darin einen entscheidenden Unterschied zur vergangenen Saison: «Jeder Match verlangt von uns eine hundertprozentige Leistung. Solche Spiele haben wir in der NLB noch gewonnen, in der NLA nicht mehr.»
Lange beschäftigen können sich die Aarauerinnen mit der Niederlage ohnehin nicht. Bereits am kommenden Samstag bietet sich die Gelegenheit zur Reaktion – und dies erneut vor heimischem Publikum. Dann empfängt der BTV Aarau Franches-Montagnes. Spielbeginn ist um 20 Uhr in der BSArena in der Telli in Aarau.
Fotos: Andreas Beckmann | Weitere Fotos auf Flickr





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