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Der BTV Aarau bringt den Schweizer Meister ins Wanken

Raphael Nadler | Landanzeiger
vor 18 Stunden
4 Min. Lesezeit
Sarah Jordan (BTV Aarau) vs Topscorerin Dotson Sanaa (Viteos NUC) | Foto: Andreas Beckmann
Sarah Jordan (BTV Aarau) vs Topscorerin Dotson Sanaa (Viteos NUC) | Foto: Andreas Beckmann

Der NLA-Aufsteiger BTV Aarau fordert den Schweizer Serienmeister Viteos NUC aus Neuenburg stärker als erwartet und gewinnt bei der 1:3-Niederlage sogar einen Satz. Trainer Timo Lippuner ist danach «ein bisschen stolz» – und selbst eine ehemalige Aarauerin im Dress des Gegners ist beeindruckt.

 

Am Ende setzte sich die Klasse des Favoriten durch. Doch bevor Viteos NUC den nächsten Sieg feiern konnte, musste der Schweizer Serienmeister gegen den Aufsteiger aus Aarau härter arbeiten, als es die Rollenverteilung vor der Partie hätte erwarten lassen. Der BTV Aarau unterlag dem amtierenden Cup- und Supercupsieger sowie Schweizer Meister der vergangenen sechs Jahre mit 1:3. Die Satzergebnisse von 22:25, 22:25, 25:22 und 17:25 zeigen aber, wie lange der Aussenseiter mit dem grossen Favoriten mithalten konnte.

 

«Was wir heute gezeigt haben, ist schlicht und einfach sensationell», sagte BTV-Trainer Timo Lippuner nach der Partie. Er wusste die Leistung seiner Mannschaft einzuordnen. Gegen einen Gegner dieser Qualität könne Aarau auch einmal deutlich verlieren. Stattdessen hielt sein junges Team über weite Strecken mit, gestaltete die ersten beiden Sätze eng – und holte sich danach sogar den dritten.

 

Aarau lässt sich nicht abschütteln

 

Schon der erste Satz zeigte, dass sich der Aufsteiger nicht vor dem grossen Namen auf der anderen Seite des Netzes verstecken wollte. Bis zum 20:21 war die Partie völlig offen, ehe sich NUC mit 25:22 durchsetzte. Im zweiten Durchgang dasselbe Bild: Wieder stand es in der Schlussphase 20:21, wieder behielten die Neuenburgerinnen mit 25:22 die Oberhand.

 

Doch Aarau liess sich davon nicht entmutigen. Im dritten Satz führte der BTV Aarau 8:4, später 16:12 und 21:18 – und diesmal brachte der Aussenseiter seinen Vorsprung ins Ziel. Mit 25:22 ging der Durchgang an die Gastgeberinnen. Erst danach sorgte NUC mit einem 25:17 im vierten Satz für klare Verhältnisse.

 

Für Lippuner war vor allem bemerkenswert, was sein Team dem Favoriten abverlangte. «Sie mussten praktisch perfekt spielen, sonst hätten sie uns nicht geknackt. Das ist für uns das grösste Kompliment.» Seine Spielerinnen hätten die taktischen Vorgaben umgesetzt und den Gegner mit ihrer Verteidigung immer wieder zu zusätzlichem Aufwand gezwungen.

 

Die Statistik unterstreicht, dass Aarau durchaus Akzente setzen konnte. Venerë Kadriu war mit 17 Punkten die erfolgreichste Aarauer Punktesammlerin, gefolgt von Mille Solvik Kjosås mit 13 und Sarah Allison Jordan mit 12 Punkten. Jordan verwertete dabei 12 ihrer 17 Angriffe. Insgesamt kam Aarau auf 61 selbst erzielte Punkte, NUC auf 73.

 

«Wir haben sie mehr aus der Ruhe gebracht als sie uns»

 

Auch Captain Alina Stäuble hatte nach der Partie wenig Grund, sich über das Resultat zu ärgern. «Wir haben unsere Erwartungen mehr als übertroffen und sind sehr glücklich über diese Leistung», sagte sie. Gerade die guten Starts in die Sätze hätten dem Team Vertrauen gegeben.

 

Dass der Aufsteiger gegen den Serienmeister nicht nur reagieren musste, sondern selbst Druck erzeugen konnte, war für Stäuble eine wichtige Erkenntnis. «Uns hat wirklich wenig aus der Ruhe gebracht. Wir haben sie mehr aus der Ruhe gebracht als sie uns», sagte die Captain.

 

Gleichzeitig zeigte die Partie, wo Aarau auf dem neuen Niveau noch zulegen muss. Das Spiel in der NLA sei schneller, erklärte Stäuble. Gerade im Block seien die Aarauerinnen teilweise noch zu spät oder nicht optimal positioniert. Genau solche Details können gegen die besten Teams der Schweiz darüber entscheiden, ob aus einem 20:21 noch ein Satzgewinn wird.

 

Lippuner sah dies ähnlich. Seine Mannschaft habe zwar viele schwierige Bälle verteidigt, doch NUC habe anschliessend häufiger den entscheidenden Punkt gemacht. «Darum sind sie auch ein Top-Team.» Dennoch erkennt der Trainer bei seinem Team bereits Fortschritte. Besonders freute ihn, dass Wechsel auf verschiedenen Positionen funktionierten und auch die eingewechselten Spielerinnen ihre Leistung abrufen konnten.

 

Lob ausgerechnet von einer ehemaligen Aarauerin

 

Wie unangenehm der Aufsteiger für den Favoriten war, bestätigte nach der Partie auch eine Spielerin, die den BTV bestens kennt: Charlotte Schneider. Sie begann in Aarau mit Volleyball und bestreitet inzwischen ihre zweite Saison für Neuenburg.

 

«Aarau ist ein Team, das sehr viel fightet», sagte Schneider. Vor allem im dritten Satz habe ihre Mannschaft etwas nachgelassen und Aarau dies konsequent ausgenutzt. «Sie haben es wirklich gut gemacht. Ich bin stolz auf das Team und darauf, was sie heute geleistet haben.»

 

Schneider selbst trug einiges dazu bei, dass die Überraschung am Ende ausblieb. Sie erzielte 14 Punkte für NUC, davon zehn im Angriff und vier mit Blocks. Nur Sanaa Dotson sammelte mit 19 Punkten noch mehr Zähler für die Gäste.

 

Für Schneider war die Rückkehr an ihre alte Wirkungsstätte ohnehin speziell. Sie hatte den Aufstieg ihres ehemaligen Vereins bereits in der vergangenen Saison mitverfolgt. «Es ist ein wunderschönes Gefühl, hierher zurückzukommen», sagte sie. Auch die Entwicklung rund um das Team beeindruckt sie: «Ich finde es einfach schön, was sie aufgebaut haben.»

 

Vier Punkte – und die Erkenntnis, mithalten zu können

 

Für den BTV Aarau bleibt damit zwar die zweite Niederlage im dritten Saisonspiel. Doch die ersten Auftritte in der höchsten Schweizer Liga haben offenbar auch innerhalb des Teams die Überzeugung gestärkt, dass der Aufsteiger auf diesem Niveau bestehen kann.

 

«Wenn wir die Resultate vor der Saison gekannt hätten, hätten wir sofort unterschrieben», sagte Stäuble mit Blick auf die ersten drei Partien und die vier gewonnenen Punkte. Gleichzeitig habe gerade der Auftritt gegen Neuenburg gezeigt, dass noch mehr möglich sei.

 

Ähnlich fiel das Zwischenfazit ihres Trainers aus. Die intensive Vorbereitung auf die erste NLA-Saison habe sich ausgezahlt, sagte Lippuner. Nun gehe es darum, den nächsten Schritt zu machen: das höhere Tempo dauerhaft mitzugehen, dem Druck der Spitzenteams standzuhalten – und in den entscheidenden Situationen noch konsequenter zu werden.

 

Nach diesem Abend überwog beim Trainer deshalb nicht die Enttäuschung über die Niederlage. «Ich bin nicht nur zufrieden, sondern wirklich sehr zufrieden und auch ein bisschen stolz darauf, was wir aus eigener Kraft in dieser kurzen Zeit geschafft haben.»

 

Das nächste Heimspiel findet am kommenden Samstag, 31. Oktober, 20 Uhr, in der BSArena in der Telli in Aarau gegen Volley Lugano statt.




 
 
 

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